Regierungen haben die systemische Bedeutung von Bargeld angesichts wachsender geopolitischer Unsicherheit erkannt. Der Ausfall des Telekommunikationsnetzes von Rogers in Kanada im Jahr 2022 zeigt, was passiert, wenn Zahlungen am Point of Sale, Online-Zahlungen und Wallet-Zahlungen nicht funktionieren: Das Zahlungsvolumen bricht ein und die wirtschaftliche Aktivität geht deutlich zurück. Neben der Bedeutung von Bargeld als resiliente Zahlungsmöglichkeit haben Regierungen im Vereinigten Königreich (2023), in den USA und der EU (beide 2025) sowie in Schweden (2026) den Zugang zu Bargeld gesetzlich abgesichert, um unter anderem ältere Menschen, Menschen mit geringem Einkommen und Menschen mit Behinderungen zu unterstützen.
Hinzu kommt die traditionell starke Bargeldpräferenz in Deutschland. Während der Bargeldgebrauch im Vereinigten Königreich und in den Niederlanden auf unter 20 % zurückgegangen ist, bleibt Bargeld in der Bundesrepublik mit 45 % aller Transaktionen vergleichsweise beliebt. Laut Zahlen der Bundesbank aus dem Jahr 2025 akzeptieren zudem noch 99 % der deutschen Unternehmen Bargeld.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen der Bundesbank für das vergangene Jahr, dass der Anteil bargeldbasierter Transaktionen von rund 80 % im Jahr 2015 auf 45 % im Jahr 2025 gesunken ist. Da Investitionsentscheidungen zur Bargeldinfrastruktur, die heute getroffen werden, die nächsten 10 bis 15 Jahre prägen werden, ist es wichtig, langfristige Trends in derzeitige Entscheidungen einzubinden. Selbst wenn sich der aktuelle Rückgang verlangsamt und die Bargeldnutzung nur noch um 2 % pro Jahr sinkt, würde Deutschland bis 2040 ein ähnliches Niveau erreichen wie die Niederlande heute.
Ein neues ATM-Servicemodell für Deutschland?
Vor diesem Hintergrund ist es berechtigt zu fragen, ob deutsche Banken Bargeld bei ihren Investitionsentscheidungen weiterhin als Zahlungsmittel für den Massenmarkt betrachten sollten – oder ob ein Ansatz wie in den Niederlanden und den nordischen Ländern sinnvoller wäre: Bargeld als notwendige Notfallinfrastruktur zu verstehen und damit effiziente Strukturen und gemeinsame Investitionen zur obersten Priorität zu machen.
Aus unseren Gesprächen mit deutschen Banken wird deutlich: Mit sinkender Bargeldnutzung steigen die Kosten für die Bargeldversorgung weiter. Banken berichten, dass sie in höhere Sicherheitsstandards investieren müssen, während immer weniger Kunden Bargeld nutzen und Filialnetze rationalisiert werden. Die Verlagerung von Geldautomaten und Kooperationen mit Supermärkten bei Cashback-Angeboten haben nur begrenzte Auswirkungen auf die Kosten – insbesondere angesichts steigender Investitionen in die Sicherheit von Geldautomaten und stark zunehmender Kosten für die Bearbeitung und den Transport von Bargeld.
Unsere Analyse legt nahe, dass deutsche Banken mit Blick auf die 2030er-Jahre nicht in erster Linie über die Anzahl der Geldautomaten oder Partnerschaften mit Drittanbietern nachdenken sollten. Vielmehr geht es darum, die Organisation von ATM Diensten neu zu bewerten, die Rolle von Outsourcing zu betrachten und zu prüfen, welchen Beitrag es zur Reduzierung von operativer Komplexität und Kosten leisten kann.
Steigende Kosten vermeiden – mit flexiblen Ansätzen
Viele lokale Anbieter von Bargeld- oder anderen ATM-Services schreiben die Nutzung bestimmter Hardware vor. Andere liefern nur Teile der benötigten Software oder Hardware. Das erhöht die Risiken und den Bedarf an manuellen Eingriffen – etwa bei der Bargeldbestellung oder dem Transport von Bargeld. Wir teilen die Einschätzung derjenigen Banker, die uns sagen, dass diese Situation weder aus Kosten- noch aus Performance-Sicht nachhaltig ist.
Um Kosten niedrig zu halten und das Management der Bargeldversorgung zu vereinfachen, können Banken auf einen Outsourcing-Partner setzen, der sie bei der Einhaltung regulatorischer Anforderungen unterstützt. Aus unserer Sicht sollten Banken die gesamte Wertschöpfungskette an einen erfahrenen Anbieter auslagern, der über qualifizierte ATM-Techniker und spezialisierte Expertenteams verfügt und Änderungen an ATM-Software und -Hardware innerhalb weniger Wochen nach Beauftragung umsetzen kann. So behalten Banken die Kontrolle und profitieren gleichzeitig von einem offeneren, modularen Ansatz für das ATM-Management – einem Modell, das wirklich für die Zukunft gerüstet ist.
